Der Schreibtisch 09/2017 – 10 noch viel beklopptere Dinge die man in Leipzig machen kann

Ich will ganz offen sein: Das große Ganze der vergangenen Woche ist eher peripher an mir vorüber mäandert. Jetzt muss man ja nicht gleich die ‚Nix hören/sehen/sagen-Drei-Affen-Karte‘ spielen, als Mensch unter Menschen und Medien in Leipzig klopft die Realität immer mal wieder an. Zum Jahrestag des Mauerfalls ließe sich sicher weit ausholen und die Kolumne wäre im Kasten. Man könnte auch gleich ins offene Messer rennen und sich zur #MeToo-Debatte positionieren. Oder ein Jahr Trump Revue passieren lassen. Aber ehrlich: Nö! So ein paar Tage albern und kindisch und Kopf in den Wolken müssen auch sein. Und schreiben kann man ja grundsätzlich über jeden Quatsch, den man so macht. Zum Beispiel kann man…

01: …in den LEGO-Store in den Höfen gehen und Mädchen-LEGO kaufen

Emma

Ich mag den LEGO-Store in den Höfen am Brühl. Kann ja sein, dass die Mitarbeiter mit Kalaschnikov im Rücken zu übermäßig kindlich-nerdiger Freundlichkeit gezwungen werden, wahrscheinlicher ist wohl aber die ansteckende Qualität einer konsequent durchgezogenen Gute-Laune-Mentalität. Die Kids im Laden freut’s, deren Eltern auch – und die eigene Wenigkeit fühlt sich auch wieder wie 12, was man durchaus immer mal haben kann. Da findet das dann auch niemand seltsam, dass ich mich explizit nach Plastik-Blumen und LEGO-Kätzchen erkundige. Ich habe jetzt auf jeden Fall „Emma“ aus der LEGO-Friends-Serie zu Hause stehen. Vielleicht baue ich irgendwann ihr kleines Fotostudio-Paradies, um der Aktion noch einen pragmatischen Zweck beizumischen. Oder ich bleibe gleich in der Stadt und kann dann…

02: …zum Gewandhaus gehen, ohne eine Veranstaltung sehen zu wollen

Julia Engelmann! Ja, genau, die Alte! Die große Bremer Dichterinnen-Hoffnung, deren substanzlose Befindlichkeits-Poesie selbst den eigenen Brechreiz nach nichts schmecken lässt. Und die es sich jetzt mit erstem Album (Achtung, Kreativität incoming: „Poesiealbum“) in der Deutschpoeten-Petrischale zwischen all den Forster- und Bendzko-Nullstellen gemütlich macht. …Und im Gewandhaus auftritt. Ich hatte Textmarker dabei, zumindest für Hitlerbärtchen auf ihren Konterfeis hätte Frau E. ja noch getaugt. Leicht enttäuschend, denn nirgends, aber auch nirgends ließ sich vor Ort ein Hinweis auf ihren Gig finden. Es muss dem Haus wohl selbst peinlich gewesen sein, aber dann hätten sie’s auch gleich lassen können, für andere Einflüsse aus der bösen (Post-)Moderne sind sie doch auch so wenig empfänglich. Gut, nicht aufregen, lieber im Zentrum bleiben und…

03: …stundenlang in Bars hängen ohne sich betrinken zu wollen

Das geht wirklich. Betrinken in Bars – bzw. noch katastrophaler: Pubs – ist ja immer eine Sache des langsamen finanziellen Heldentodes. Deswegen nimmt man eher nur so viel mit, wie monetär verkraftbar ist und genießt mit Freunden die angenehmen Momente, die gerade in der rustikalen Gemütlichkeit irisch angehauchter Lokalitäten ihre volle Wirkung entfalten können. Jetzt kann das noch weiter gehen und die Getränke-Versorgung nimmt einen völlig sekundären Platz ein, je nach Ort und Situation. Im Dhillons in der Innenstadt gibt es eine besonders gemütliche Couchecke, zu der aber eigentlich niemand hingehen muss, weil die ist vermietet: An mich! Alle anderen können ja…

04: …bei 5°C joggen gehen, um was für die Optik zu tun

Joggen gab’s letzte Woche schon, nur war’s da noch nicht ganz so kalt. Punkt 3 der Liste ist aber ein wesentlicher Faktor, sich für die Wintermonate mit dem Thema ‚Schwimmen gehen im Sportbad‘ nicht näher beschäftigen zu wollen. Das ist aber auch teuer, Mensch! Dann doch lieber umsonst laufen, auch wenn die eisigen Polarwinde in den Lungenflügeln den kurzzeitigen Hustenanfall zu Hause quasi vorprogrammieren. Wer jedoch ernsthaft noch bei Minusgraden die Turnschuhe anzieht, hat definitiv nicht mehr alle Latten am Zaun. Ich suche daher nach Alternativen, die nichts mit Yoga oder vereinsmeiernden Mannschafts-Sportarten zu tun haben und bin dankbar für jeden Input. Bis dahin kann ich ja immer noch…

05: …trotz Frühschicht bis in die Nacht unterwegs sein, weil man sich noch für 20 hält

Klar, die Pub-Besuche haben ihren Teil dazu beigetragen. Aber man muss schon der Einzellige unter den kognitiv Herausgeforderten sein, wenn man meint, mit 32 Lenzen, Full-Time-Job und Wecker um 6 sind 3-4 Stunden Schlaf überhaupt kein Problem. …Doch, sind sie! Man schwebt in einem perma-delirierenden Katerzustand, ohne etwas dafür getan zu haben, mit Kopf, Nacken, Rücken. Älter werden in a nutshell! Und das Immunsystem geht auch gleich in Urlaub und lässt nur seine unterbezahlten Gastarbeiter zu Hause. Da hat nicht viel gefehlt und die ‚2-Jahre-ohne-krank‘-Serie hätte ihre Sachen packen können. Ging aber gerade nochmal gut, deswegen kann man auch gleich noch…

06: …sonntags die Wohnung putzen

Womit wir auch gleich wieder beim Thema Kater wären. Unangenehm, sicherlich, aber eine der allgemeinen Sonntags-Faulheit angemessene Beschäftigung. So wie futtern, Couch und Bingewatching. Laminatreiniger und Scheuermilch haben in dieser Liste definitiv nichts verloren. Und eigentlich auch überflüssig, seit sich Madame Sonne schon letztes Wochenende offenkundig dazu entschieden hat, bis tendenziell Mai 2018 woanders hinzugehen. Man sieht doch eh nichts, also warum nicht gleich Winterschlaf!? Oder alternativ…

07: …2 Stunden für Bolognese in der Küche stehen

Kochen ist toll. Immer eigentlich, außer man hat es echt eilig. Bolognese ist auch toll, und können eigentlich auch die meisten. Zumindest glauben die das. Aber so eine Bolognese braucht Zeit, alles unter einer Stunde ist Majestätsbeleidigung. Und wenn man das dann für sich alleine zusammenbraut, liegt die Kosten-Nutzen-Rechnung schnell im Wachkoma. Sollte man also nicht allzu häufig herausfordern – oder gleich die Flucht nach vorn antreten: Zwei Stunden dürfen’s heute schon sein, muss ja auch toll werden. Andernfalls müsste man das wieder gut machen, nochmal losrennen und…

08: …Visitenkarten von sich mit Hexenhut drucken lassen

Das ist jetzt echt schwer zu erklären, also lass ich’s lieber gleich. Die Chancen stehen aber tatsächlich recht gut, dass in Leipzig bald die ein oder andere Visitenkarte rumliegt, mit einem völlig verpeilten Vogel mit schwarzem Hexenhut darauf, der zufällig meinen Namen trägt. Mit einem Retardo-Gesichtsausdruck, der in seiner geistigen Unschärfe auch nur von Leuten kommen kann, die sich bei Temperaturen gegen Null freiwillig noch die Jogging-Klamotten überziehen. Ich bitte von weiteren Fragen zu dieser Sache abzusehen. Halten wir einfach fest: Ich wusste was ich tat und kann für solchen Quatsch sogar…

09: …den Blog schleifen lassen und das nicht mal schlimm finden

Nichts hab ich geschrieben diese Woche, ein Affront, ein Eklat! Also außer das hier gerade. Aber das geht schon in Ordnung. Die „Grandes Dames“-Review-Reihe ist fast im Kasten, ein paar andere Texte liegen auf Halde. Und wenn ich der Meinung bin, für ein paar Tage eben himmelschreiend unvernünftig, Kleinkind und hochgradig ineffizient sein zu wollen, dann ist das halt so. Und dann wird sich der feine Herr Blog wohl mal ein wenig gedulden müssen. Schließlich muss man einfach nur…

10…für all das einen guten Grund haben…

…und dieser zuckersüße Grund wird bald an der Tür klingeln. Ich bin dann mal weg. Tschüss!

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