Der Schreibtisch 08/2017 – 10 Dinge die man in Leipzig machen kann …wenn man mal Urlaub hat

Irgendwas ist ja immer. Was gut ist, weil man dann auch immer irgendwas schreiben kann. Nicht zu unterschätzen, wenn dem wöchentlichen Kolumnenversuch nicht irgendwann die Luft ausgehen soll. Aber ehrlich, Mensch, ich hab Urlaub. Und da können mir das politische Geschehen im Großen und Leid und Elend im Kleinen auch mal ein wenig am Allerweltsarsch vorbei gehen. Zumindest für ein paar Tage – In denen ich mal nicht außer Landes war, sondern im schönen Leipzig. Und da kann man viele tolle Sachen machen, wenn man gerade zur Hand und vor Ort ist. Man kann zum Beispiel… 

01: …etwas für die kulturelle Bildung tun und ins Grassi-Museum gehen

Leipzig

Da gibt es eine großartige völkerkundliche Ausstellung, die ruhig gesehen werden darf. Und ein Museum für angewandte Kunst, welches vielleicht auch super ist, was ich aber nie erfahren werde, weil mich da keine zehn Pferde rein bekommen. Und dann gibt es da noch den Bereich für Musikinstrumente. Erwartungsgemäß alles recht klassisch gehalten. Moderner als der Big-Band-Drum-Set-Frühversuch von einem der „Prinzen“ wird es nicht, nach Meshuggahs Achtsaitern wird man also vergeblich suchen. Dennoch liebevoll gestaltet, mit viel auditivem Begleitmaterial auf Knopfdruck in jedem der Räume. Und was für tolle Wortspiele man mit einem Instrument wie dem Pommer veranstalten kann, muss man live miterleben oder bei Toni im Blog lesen. Jetzt kann man neben der Kultur natürlich auch noch…

02: …etwas Geschichte mitnehmen und auf Besuch zum Völkerschlachtdenkmal

Leipzig

Zumindest wenn man gut zu Fuß bzw. gut zu Treppe ist. Aber die 500 Stufen kennt jeder Besucher des Monuments, der nicht der eigenen Bequemlichkeit zuliebe mit den schützenden Wänden des Fahrstuhl-Areals Vorlieb genommen hat. Jetzt weiß man ja mittlerweile wie das damals so war, mit Napoleon und seinen Alliierten und den Preußen und den Russen und den Österreichern und den Schweden. Architektonisch gewaltig ist das Völki natürlich immer noch, aber hauptsächlich will man eben doch bis ganz hoch, um bei zumindest annehmbarem Wetter den angrenzenden EU-Staaten zuzuwinken und zu schauen, wo denn das eigene Haus steht. Irgendwo hinter dem Clara, da wo das Grün wieder aufhört und ein paar Kirchen stehen, also so ungefähr. Und wer noch gleich die beste Rolle in der HBO-Serie „The Deuce“ abbekommen hat, kann man hier auch in Ruhe diskutieren. Wem jetzt aber die Aussicht hier noch viel zu sicher genießbar ist, der geht halt auf den…

03: …Wackelturm im Rosental

Rosental Leipzig

Ein einziges Mal war ich oben auf dieser teuflischen Konstruktion, mit einem kleinen Mädchen und einem kleinen Hund, die beide nicht mir gehören. Es war windstill, das flaue Gefühl im Magen gab’s dennoch gratis. Und als Madame auf dem Rückweg einfiel, dass sie wohl doch Höhenangst hat, half das wenig zur Entspannung der Gesamtsituation. Ich weiß nicht, woher meine Idee kam, mit einem Freund da doch einfach nochmal hoch zu gehen, bei Windstärke 3. Schon ein laues Lüftchen genügt, um dieses metallene Arschloch von Aussichtsturm in Schwingungen zu versetzen. Aber wenn Leipzig unter schwarzem Firmament langsam in sanft goldenes Licht getaucht wird, entschädigt das zumindest ein Stück für die wackeligen Knie. Und sollte einem bis hierhin der Appetit noch nicht vergangen sein, kann man ja gerne…

04: Essen gehen – Zum Beispiel im Prime Burger

Prime Burger Leipzig

Hach ja, Essen. Gibt kaum was Schöneres, außer vielleicht Punkt 5 in der Liste. Und interessant ist es ja schon, wohin sich die Burgerkultur gerade bewegt, weg von pampigem Fast Food hin zu gepflegter Restaurant-Cuisine. Man kann da jetzt „Hipster“ schreien, liegt dann aber eben auch voll daneben. Wer mal in einem Irish Pub eines der amtlichen Fleisch-Gemüse-Brötchen mit Süßkartoffel-Pommes mitgenommen hat, weiß um die explosiven Geschmacksqualitäten der kleinen Kalorienbomben. Vielleicht hat es Prime Burger deshalb noch immer etwas schwer, sich mit Alleinstellungsmerkmal breiter zu etablieren. An der Qualität kann es jedenfalls nicht liegen, hier gibt es frische Küche mit perfekt gegartem Rind zum fairen Preis. Hochwertiger ist da eigentlich nur BBI, der Berlin Burger International in Berlin-Neukölln, aber die grillen eh vom anderen Stern. Weil das jetzt aber doch alles schwer im Magen liegen kann, braucht man etwas zum Runterspülen. Daher sollte man schleunigst einen…

05: …Trinken gehen

Barfußgässchen Leipzig

Die Zahl der Möglichkeiten ist Legende, zu fragen ist eher, was Leber und Geldbeutel aushalten. Den Dhillons im Zentrum kann man beispielsweise antesten, auch wenn die großen Fensterscheiben von außen eher ungemütlich wirken. Innen ist es dafür umso uriger. Eine Bar, die sich stolz „Real Irish Pub“ auf die Fahne schreibt. Und die Bedienungen scheinen tatsächlich alle Iren zu sein, etwas unkoordiniert vielleicht, aber sehr freundlich. Und ab 22 Uhr ist Cocktail-Happy-Hour. Im Kildare gibt’s das nicht, aber warum auch, man ist ja schließlich schon im Barfußgässchen. Die Karte ist demnach eher am Erlebnis-Tourismus orientiert, entspannt ist es trotzdem, so ganz ohne Junggesellen-Abschiede. Für diesen Fall sind dann aber auch gleich die Wenzel Prager Bierstuben um die Ecke. Der gesprächige Barkeeper zückt für uns lieberweise die Geheimwaffe, die auf keiner der Karten steht: Ein drei-hopfiges „Kamenice Gulden“, welches noch viel fruchtig-umwerfender ist als es klingt. Und wem das bis hier alles zu wenig Musik war, der kann ja…

06: …zu Mogwai ins Täubchenthal

Täubchenthal Leipzig

Ich mag das Täubchenthal. Es hat eine spannende Künstler-Auswahl für jeden Geschmack, die fetteste Anlage und ist gleich die Straße runter. Und wenn es das Ticket dann auch noch dank einer Malmsheimer-Gefälligkeit im Juni für lau gibt, steht der Spaßometer auf Hochspannung. Gleich zu Konzertbeginn wird mir klar, warum viele Menschen Mogwai als eine der lautesten Bands der Welt bezeichnen, obwohl das ihre Musik eigentlich kaum hergibt. Eine immense Wand, welche die Schotten da auffahren, zu meinem Glück gespickt mit vielen Songs des aktuellen Albums, durch das ich überhaupt erst mit der Truppe so richtig warm geworden bin. „Kids will be skeletons“ wäre noch schön gewesen, aber man will ja nicht kleinlich sein. Und wenn es dann doch das komplette Gassenhauer-Menü sein soll, zieht man eben gleich weiter…

07: …zu den Guano Apes ins Haus Auensee

Haus Auensee Leipzig

Die Chancen standen 50:50, dass dies ein fremdschämender Reinfall oder die volle Nostalgie-Packung wird. Mit zarten 12 Lenzen war „Proud like a god“ meine erste Rock-CD und die Tour gilt der Feier des 20-jährigen Album-Jubiläums. Und auch wenn sie von ihrem Debut „nur“ etwa zwei Drittel spielen, pulverisieren die Göttinger Jungs und Mädel jede Skepsis im Vorbeigehen. Man kann von ihrem jüngeren Output halten, was man will, aber die Guano Apes sind gestandene Entertainer und zelebrieren den kompletten Abriss, mit unbändiger Energie und Spielfreude, Variationen, Widerhaken und großer Geste. Und das leidenschaftlich mitgehende Publikum in allen Altersklassen macht Dinge, die heute eigentlich schon der Etikette wegen verboten sind, das heißt Crowdsurfen, Moshpit, die gute alte Zeit! So durchnässt habe ich höchstens den Gig der Hilltop Hoods vor Jahren im Berliner Lido verlassen, mit breitem Grinsen und der wohligen Gewissheit, ein Stück Jugend neu erlebt zu haben. Und während man hier schon Kalorien für zwei Tage verbrannt hat, kann man trotzdem immer noch so wahnsinnig sein und…

08: …joggen gehen im Volkspark

Kleinzschocher Leipzig

Joggen ist ja immer so eine Sache. Viele Leute mögen es nicht, und ich kann sie verstehen, denn wirklich tiefen-entspannend geht anders. Und wenn man gerade einen schlechten Tag erwischt, kann auch eine halbstündige Strecke schnell in Arbeit ausarten. Aber wenn man sich erst einmal reingefunden hat, ist Laufen dann eben doch eine angenehm entschleunigende Tätigkeit zum Kopf befreien. Und das Neuer-Mensch-Gefühl nach dem Duschen zu Hause lässt nie nach. Wie gut, dass es den Volkspark Kleinzschocher gibt, eine idyllischere Atmosphäre für die körperliche Ertüchtigung kann man sich kaum vorstellen. Weniger überfüllt als der Clara, mit verschlungenen Pfaden, kaum berührter Natur, Wald und Wiese bis runter zum Cospudener See. Und es ist, vor allem: Kostenlos! Wer jetzt aber genug von Stehen, Laufen, Sitzen hat, der kann ja immer noch in das Auto oder, wie in meinem Fall, in die öffentlichen Verkehrsmittel. Denn man kann mit Leipzig Sachen machen, für die man nicht einmal in Leipzig sein muss. Man kann nämlich…

09: …wegfahren… um dann wieder nach Leipzig zurück zu kommen

So kann man unter anderem einen Ausflug nach Wittenberg machen, am besten am Tag vor dem ganzen Reformations-Gedöns. Gesagt, getan, ab auf einen Bummel durch die Lutherstadt. Es ist schon beeindruckend, wie vor Jahrzehnten das Wittenberger Stadtzentrum rund-restauriert wurde, stilsicher mit Kopfsteinpflaster, kleinen Wassergräben und liebevoll sanierten Häuserfassaden. Und wer für Tradition nichts übrig hat, kann immer noch in den Tiergarten. Da gibt es neben allerlei Totenkopf- und noch verrückteren Äffchen (Äffchen!!) auch Erdmännchen, und die tun das, was sie können: Bescheuert in der Gegend rumstehen, sodass man stundenlang dabei zuschauen möchte. Und weil man glücklicherweise die Fahrräder dabei hat, kann man auch gleich noch einen Abstecher zum Luther-Melanchthon-Gymnasium unternehmen, zur Hundertwasser-Schule. Großartig designt, über die bunt verzierte Gebäude-Fassade (mit den kleinen Rest-Ecken der tristen DDR-Architektur), die konsequent individuellen Fenster in allen Formen und Strukturen bis hin zur windschiefen und garantiert TÜV-ungeprüften Boden-und Treppen-Beschaffenheit. Jetzt ist das alles natürlich schon eine Menge To-Do für eine Urlaubswoche – Warum also nicht einfach…

10: …auf der Couch hängen und Witcher zocken

Couch Leipzig

Worauf habe ich mich eingelassen? Seit Monaten kribbelt es in den Griffeln, aber für derart Profanes wie XBOX bleibt halt einfach keine Zeit.  Nur, Witcher 3 habe ich mir vorgenommen, ganz fest, und wenn es das letzte meiner Tage sein wird. Die ersten beiden Teile habe ich verschlungen, für die Beendigung des Trilogie-Abschlusses peile ich Sommer 2018 an, nach oben erweiterbar. Ich komme in 9 Tagen Urlaub ja kaum über das erste Gebiet hinaus, renne einer gut erzählten Nebenquest nach der anderen hinterher und verliere mich im ewigen Gwent-Kartendschungel. Aber gut, wenn wenigstens zwei Tage Nichtstun mit Binge-Zocken bleiben, geht das schon in Ordnung. Gibt ja auch noch Serien auf der Watchlist – Hauptsache, man kann das von der Couch aus machen. Besonders wenn man eine derart ultra-bequeme Couch sein Eigen nennen kann. Apropos: Ich sitze gerade darauf und mache was? Schreibe über 1.600 Worte für die Kolumne, die diesen Sonntag doch eigentlich gar nicht stattfinden sollte. Gut, reicht jetzt, also wirklich. Tschüss!

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