Der Schreibtisch 13/2018: Über Fressen und Strafen

Der Mensch ist ein Tier! Und ein besonders Blödes noch dazu! Ständig tut er Dinge, die er nicht tun muss und vor allem nicht tun sollte – und das in voll beweglichem Zustand seiner geistigen Umnachtung. Der Mensch geht nicht eine Antilope fangen, um eine Antilope zu verputzen und sich dann selbstzufrieden in die Sonne zu legen. Nein, der Mensch schickt andere los, um Antilopen und die halbe Tierwelt zu jagen und sich dann alles gleichzeitig reinzuschrauben. Dann kriegt der Mensch ein schlechtes Gewissen und rennt vor Dingen weg, die nicht da sind und ohne Spaß dabei zu haben. Und weil der Mensch ein sadistisches Arschloch ist und den Hals nicht dicht bekommt, schaut er noch Leuten dabei zu, die auch sinnlos rennen und dabei Bälle fangen wie nicht gescheit …Und kann dabei wieder fressen! Blöder Mensch!

Sünde

Asiatische Küche. Sushi. BBQ-Grill. All! You! Can! Eat! Begriffe, die auf Gedeih und Verderb nicht zusammen finden sollten, dem eigenen Überlebensinstinkt zuliebe. „Mongolian Sushi Bar & Grill“ (oder so ähnlich) heißt das dann ganz bescheiden und bereitet am Ende bedeutend schneller Schmerzen und undefinierbares Bauchchaos, als man „Ich höre meine Magenwände reißen“ sagen kann. Wer so etwas schon einmal mitgemacht hat, bspw. in der Dresdner Mong Bar, der vergisst das genauso wenig wie seine Hüften.

Und der Leipziger Gourmet Palast ist im Vergleich zu seinem Pendant in Dresden noch perfider. Während man bei letzterem alles Gemüse, Fleisch und Fisch in eine Schale parkt und am leeren Platz auf die durchgebratene Lieferung wartet, gibt es in Leipzig kalt und warm und Desserts und Schokobrunnen und Krabbenchips und Sushi und Getränke inklusive, dass man vor lauter Völlerei-Wahnsinn nur noch den Löffel reichen will. Und je größer die Augen und überzeugender die Neugier, desto massiver das Leiden im Abgang: Zebra, Känguru, Lamm, Büffel, Frosch, Strauß, Baby-Hummer, Riesengarnelen, Hai, Papageifisch, Krokodil, Kalamaris, Seetang, Algen, Sprossen, Creme Brulee, Mousse au Chocolat, Butter-Kalorien-Antimaterie – und ein paar Dutzend weitere kulinarische Unmöglichkeiten …Ufff!

Dass nicht jede Obszönität zündet – Geschenkt! Papageifisch ist seltsam im Abgang, Hai ein Hauch von nichts. Froschschenkel schmecken exakt wie Huhn, sind aber nur etwa 1/20 so groß und damit auch nur 1/20 so empfehlenswert. Und kein Hummer der Welt lohnt die Mühe. Spielt aber keine Rolle, schließlich gibt es immer mehr zum Schaufeln, bis der Ranzen auf Sollbruch spannt. Aber wenn man schon bei Teller 1 merkt, dass der Abspann naht, und man bei Teller 5 noch nicht zum Ende kommt, hat man das Folgeelend in voller Härte verdient. Man weiß die ganze Zeit, es ist ein Fehler und hört …nicht …auf! Und natürlich stolpert man irgendwann wieder da rein und legt sich im Vorfeld einen glorreichen Disziplinarplan zurecht… den man gleich mit verfuttern kann, denn man ist und bleibt ein blöder, blöder Mensch…

Sühne

Joggen

Jetzt müssen diese Wagenladungen Übermaß ja nicht nur irgendwann wieder raus, sondern vor allem runter – Runter von all den Stellen, an denen sie es sich häuslich eingerichtet haben. Sprich: Sport! …Ein kurzer Moment des Zusammenzuckens: …Sport! Das kann man ganz gut alleine machen und so Unbedarften den traurigen Anblick ersparen. Oder man ist – es wurde bereits erwähnt – blöd und läuft mit vielen anderen vor einer ebenso großen Menge ganz anderen an einem Sonntag durch die pralle Sonne seinen 6,9km-Charity-Run und hält das dann noch für eine gute Idee…

An einem Sonntag! Mittags bei 26°. Begleitet von Rummelbums-Techno-Showprogramm. Ohne Zeitmessung und damit ohne wirklichen Ansporn. Keine 24 Stunden nach dem übertriebenen Asia-Gourmet-Massaker. Ach ja: Sonntag!!! Schon nach dem Aufstehen wollten das nach wie vor flaue Magengefühl und latente Kopfschmerzen überdeutlich von dem Himmelfahrtskommando abraten, vor Ort gibt dann die völlig unorganisierte Ahnungslosigkeit der Offiziellen des 15. jährlichen KKH-Laufs den Rest: Keiner weiß etwas von Zeit messen, Zielfotos, Wertsachen einschließen – Selbst die einzig gegebene Aussage, in welche Richtung überhaupt gelaufen wird, verbocken die Experten am Info(!)-Stand. Und nebenher sind die offensichtlich hochgekoksten Showmoderatoren am Mikro radikal aus dem Häuschen.

Demgemäß unmotiviert und leidlich fit geht es dann nach Geduld raubenden 1 ½ Stunden Rumstehen doch an Start und Ziel – und weil man kämpft und sich nicht lächerlich machen will, packt man mit hauseigener App-Messung dann doch gerade so das Minimalziel von unter 40 Minuten irgendwo im guten Mittelfeld. Die Siegerehrung interessiert dann auch eher wenig: Gebt mir meine Urkunde und Teilnahme-Medaille, Obst und ein alkoholfreies Blondes – Ich bin dann mal raus hier! Ich hab’s durchgezogen, die Süße ist stolz, mehr gibt es nicht zu wissen – Zukünftig dann bitte wieder die Jogging-Solonummer. Danke!

Katharsis

Baseball

Hat man nun dieses Zuckerbrot-und-Peitsche-Pendel erfolgreich über die Klinge hofiert, dürfen auch gerne die anderen ran. Was ein Glück: Es ist warm, es ist sonnig und es ist wieder Baseball-Saison. Go Wallbreakers! Leipzigs Zweitligist hatte beim Auftakt gegen Favorit Berlin Sluggers noch klar das Nachsehen, jetzt beim Re-Match stehen die Zeichen auf Krimi. Keine Mannschaft schenkt sich viel, erst im letzten Drittel lässt Leipzigs Konzentration nach. Der späte Wechsel auf einen uneingespielten Pitcher gibt den Rest – Eine knappe 6:8-Niederlage. …Nur um dann im zweiten Match mit 17:7 umso deftiger zurückzukommen, wenn ich das auch nur aus zweiter Hand weiß. So ein Baseball-Spiel dauert schließlich locker drei Stunden und zwei davon arten selbst für den Zuschauer in Arbeit aus.

…Dabei ging es doch gerade darum, arbeiten zu lassen. Zuzuschauen, wie Fremde wie angestochen durch die Gegend sprinten, sich in den Dreck werfen, gegen Homerun-Banden rennen und viel zu schnelle viel zu harte Bälle abkriegen – während man sich selbst mit den drei großen Bs (Burger, Bratwurst, Budweiser) die Plauze voll haut. Da sind dann auch wieder die drei anderen großen Bs: Blöd, blöd, blöd! Man hat ja nie genug und vor allem nichts aus seinen Fehlern gelernt. Und ist dann auch noch der Meinung, man wäre dabei mit sich im Reinen. Und wenn man mal wieder nicht im Reinen ist …naja …dann kann man ja laufen gehen. Gibt ja genug 10km-Läufe in der Stadt zum Anmelden und Mitmachen… Blöd! …So blöd!

2 thoughts on “Der Schreibtisch 13/2018: Über Fressen und Strafen”

    1. Hat gefallen, wird wiederholt. Irgendwann in ferner Zukunft. Und wie Großküche fand ich’s eigentlich nicht, da war Dresden lauter und beengter. Den Laden hier haben die eigentlich ganz clever aufgeteilt.

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