London Diary 1 – What could possibly go wrong

Reisebericht, der Zweite! Diesmal also London. Ein für 8 Tage geplanter und auf 9 Tage ungewollt ausgedehnter Städtetrip, der natürlich unterm Strich großartig geworden ist, aber dazu von „Rahmenbedingungen“ flankiert wurde, die mit ‚Jenseits von gut und böse‘ noch floweresk umschmeichelt werden. Es gibt also schon im Prolog einiges zu berichten, womit die gute alte Tradition des Island-Berichts (hoffentlich) würdig fortgesetzt wird. Und ja, es tut mir jetzt schon leid, dass die insgesamt sieben Texte nur alle zwei Wochenenden erscheinen werden…

Das Wichtigste ist, immer ehrlich zu sich selbst zu sein, Und irgendwo muss man mit diesem ehrlich sein ja anfangen. Ehrlich wäre z.B. sich einzugestehen, dass kein Tag gut laufen kann, an dem der Wecker 4:45 Uhr klingelt. Kein Tag! Nicht für Leute, die dann auf Arbeit müssen, weil sie halt auf Arbeit müssen. Und auch nicht für alle anderen, weil das heißt, dass man etwas vorhat, was sich nicht auf eine handlichere Zeit verschieben lässt. Also grundsätzlich nichts Schönes, denn schöne Dinge passieren nie vor um 11…

Jetzt ist Urlaub an sich durchaus etwas Tolles – Nur eben nicht, wenn man sich dafür halb 7 morgens in den nächstbesten alternativlosen Fernbus zu quälen hat. Womit wir bei einer zweiten unbequemen Wahrheit wären: Man kann sich noch so sehr mit dem eigenen Vorabgrübeln und Abwägen zu rechtfertigen versuchen. Am Ende war man dennoch der Meinung, dass so ein Flixbus schon keine große Verspätung haben wird und Autobahnfahrer den Zustand des Nach-Feiertags-Wachkomas auch ohne größere Personenschäden über die Bühne bringen. Man darf sich also als kolossal naiv oder einfach nur dumm bezeichnen.

Und dann kann man sich gleich noch eingestehen, dass man offensichtlich ein geiziger Hund ist! Die richtige Lösung wäre nämlich gleich gewesen, nachmittags zu fliegen. Von Leipzig. Mit einer Airline, die was taugt. Ganz entspannt – und eben einen Urlaubstag mehr einzuplanen und diesen einen Tag mehr das gottverdammte Apartment zu bezahlen. …Hat man aber nicht gemacht! Sondern hat in unbändigem Übermut versucht, ein komplexes infrastrukturelles System aus Tram, Bus Check-In, Flug, Express-Train und Metro in einen möglichst Bonsai-Faser-dünnen Zeitplan zu quetschen. So!

Um es kurz zu machen: Großunfall auf der A9, ein zu später Flixbus mit Plan B in der Hinterhand (3 Stunden über die Dörfer von Leipzig nach Berlin), Berufsverkehr, 10 Minuten vor Start am Check-In-Schalter, geschlossenes Gate, Umbuchung, Zusatzkosten …Und damit 8 (!) tot zu wartende Stunden an der tumorösesten Herzensangelegenheit jeder geschundenen Vielflieger-Seele: Schönefeld International Airport! 8 Stunden zwischen Schlange stehen, Stadt-Land-Fluss spielen, geltungswütigen Christen-Schriftstellern und resoluten „Sie kommen hier nicht durch“-Boarding-Ischen wegen halbgar versemmeltem Umbuchungs-Fuckup. Ach ja, nicht zu vergessen: Die Komfort-Hölle der Ryanair-Klappergleiter und ein schreiender Klumpen Baby exakt …hinter …unseren …Sitzen…

Ehrlich gesagt ist an diesem Tag so viel schief gelaufen, dass weder die Süße noch ich mit einer sicheren Landung dieser Billigflieger-Plastikschachtel noch ernsthaft gerechnet haben. Und so unverständlich, wie der Piloten-Versuch schon zuvor durch die Lautmuscheln genuschelt hat, so kopfschüttelnd gestaltet sich dann auch seine betont sportliche Zick-Zack-Panik beim Aufsetzen.

Zumindest, mit Betreten (noch) großbritannischer Erde setzt schnell das New-York-Syndrom ein: Egal wie riesig, hektisch und übersichtlich eine Metropole wie London ist – Je weiter man sich deutschem Boden entfernt, desto reibungsloser funktioniert der administrative Rest. Stansted Express – Liverpool Street – Central Line – DLR – Limehouse – Kurze Verzögerung bei den Apartmentschlüsseln. Und eigentlich kann es jetzt nur noch besser werden …Wobei unsere zukünftige Behausung dann schon latent … nunja … schmalbürgerlicher aussieht als auf den offensichtlich eher kreativ konzipierten Werbefotos… Ach ja, der Geiz, da war ja was…

London

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