Monster Magnet – Mindf***er (Review/Musik)

Die Review zu „Monster Magnet – Mindfucker“ ist Teil der Reihe „Klopper der Woche: Die Rock’n’Roll-Sommeroffensive 2018“.

Der Sommer 2018 darf bisher recht viel: Spaß bringen, Mücken verjagen, Regen vergessen – und das nahezu jeden Tag. Deshalb muss man nicht gleich in die nächstbeste Baileys-Bar oder Gabalier-Schunkelbutze springen, aber für schwerfällige Musik und das ganze Zum-Nachdenken-Gedöns bleibt halt auch keine Zeit. Was nicht heißt, das Gitarren nicht dürfen. Die dürfen wohl, so richtig nämlich, Hauptsache nach vorne, ins Gesicht, der guten Laune entgegen. Was gab es bisher 2018? Wo fließt der Starkstrom am Flüssigsten? Vorhang auf für eine neue Reihe: Klopper der Woche – Die Rock’n’Roll-Sommeroffensive 2018!

Monster Magnet – Mindfucker

Hard Rock / Stoner / Blues / Psychedelic

23.03.2018 -- Napalm/Universal -- 49:58 min

Monster Magnet

Chefsache

Er hat es wieder getan! Dave Wyndorf, der friendly neighborhood Rock’n’Roll-Space-Lord wurde oft genug für musikalisch und klinisch tot erklärt. Und bei der Konsummenge jedes der Menschheit bekannten synthetischen Muntermachers samt Überdosis vor zehn Jahren hat auch nicht viel gefehlt. Aber da ist er wieder, ohne großes Tamtam, schmeißt nebenher den elften Longplayer unters Volk – und zeigt sich dabei bissig wie zu besten Schweinerock-Zeiten.

Zwischendurch segelte das Schlachtschiff Monster Magnet ja bereits in den Irrwegen der Beliebigkeits-Meere. Nach den psychedelischen Stoner-Anfängen mitsamt Meisterwerk Dopes to infinity kerbte die Band mit dem großspurigen Powertrip ernste Ausrufezeichen in den Dicke-Eier-Overstatement-Rock. Monolithic, Baby! kopierte anständig, schrammte dabei näher am glatt produzierten Mainstream, aber machte immer noch höllisch Laune. Erst die Mastermind konnte mit gleichem Rezept nicht mehr begeistern, bevor sich 4-way-diablo dann bedenklich blutleer zeigte. Das Urgestein schien Geschichte …und walzte mit dem bluesig verrauchten Last patrol eindrucksvoll zurück. Das mochte die Band, das mochten die Fans, sodass dem Last Patrol-Remix Milking the stars ein zusätzliches Pfund abgehangener Nebelschleier spendiert wurde – und die Mastermind mit Cobras and Fire eine ganz ähnliche Frischzellenkur verpasst bekam.

Monster Magnet waren wieder bei den Anfängen, in croonendem Psychedelic-Space-Rock, und fühlten sich dabei wohler denn je. Die Marschrichtung für den neuen Output schien also gesetzt, doch weit gefehlt: Monster Magnet sind und waren immer Chefsache und das Zugpferd hat sich um Erwartungshaltungen noch nie geschert. Mindfucker ist keine in sich ruhende Altherrenveranstaltung – Dave Wyndorf ist immerhin über 60! – sondern eine kompromisslose, energiegeladene Überzeugungstat, nahe an der Hard-Rock-Essenz der Gruppe, aber tiefer denn je in räudigen Punk-Gefilden wildernd. Es ist das Ergebnis unbändigen Spieltriebs mit harter Jam-Schlagseite, das an den Glanzzeiten der Ikonen nur selten anklopft, aber rundum Spaß macht – Und um eine hohe Halbwertszeit ihrer Songs waren Monster Magnet auch noch nie verlegen.

Gleich der Opener „Rocket freak“ hechtet von einem Thema zum nächsten, bis er irgendwo in seiner Mitte ankommt und Wyndorf mit amtlichem „Oh my god!“ voll einsteigt. Der Song galoppiert wild und ohne Gefangene nach vorne und wird von dem ähnlich wuchtigen „Soul“ abgelöst, welches sich gemäß Monster Magnets Paradedisziplin gen Ende zu einem Monolith aufeinander gestapelter Soli hochtürmt. Der stampfende Titeltrack schließlich komplettiert das eröffnende Triumvirat kinnhoher Highspeed-Brecher. Überhaupt findet die Band die Bremse ziemlich selten: Kommen auch manche Riffs etwas geradlinig und simpel daher und erinnern stellenweise an den Diskografie-Schwachpunkt 4-way-diablo, verhindert der nahezu konsequente Uptempo-Kurs den meisten Leerlauf.

Wenn es dann doch mal gemächlicher wird wie in „Drowning“, pflügen die Mannen stilsicher durch Jahrzehnte Black-Sabbath-Magma, Deep-Purple-Gefrickel und Doors-Entrücktheit. Ein Koloss wie „I’m god“ ist ohnehin pures Live-Gold und rückt Wyndorfs Selbstverständnis als richtender Herr seiner Jünger ins passende Licht: „When I made you. I also made the stars. And they turned out fine. And you keep wrecking the car.” Später schleichen sich zwar einige verzichtbare Längen ein (“Brainwashed”, „All day midnight“), das hymnenhafte „Want some“ und „Ejection“ als Cover der Space-Rock-Pioniere Hawkwind entschädigen aber auf dem Fuß. Und nicht zuletzt der bleierne Rausschmeißer „When the hammer comes down“, der sich zu tonnenschweren Großtaten wie „Bummer“ von der Powertrip gesellt, stellt unumwunden klar: Auch 2018 muss man mit Monster Magnet noch rechnen.

Fakt ist auch: An allen Enden aus drei Jahrzehnten Bandgeschichte finden sich wichtigere Fixpunkte, stärkere Einzelsongs und stimmigere Gesamtkonzepte. Mindfucker bleibt eine leger aus der Hüfte geschüttelte Fingerübung. Nur, so ungezwungen und locker ließ sich bisher kaum eine Monster-Magnet-Veröffentlichung durchhören und genauso straight rotzig soll sie auch verstanden werden. Dave Wyndorf wurde gefragt, wieso er die Scheibe Mindfucker getauft hat. Antwort: Weil er die gottverdammte Verantwortung hat, einmal in seinem Leben eine Platte Mindfucker zu nennen! Damit ist wohl alles gesagt!

  1. Rocket freak
  2. Soul
  3. Mindfucker
  4. I’m god
  5. Drowning
  6. Ejection
  7. Want some
  8. Brainwashed
  9. All day midnight
  10. When the hammer comes down

Highlights:

  • Rocket freak
  • Mindfucker
  • Ejection
  • Want some
  • When the hammer comes down

Monster Magnet - Mindfucker (Official Music Video)

Monster Magnet - Ejection (Official Music Video)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.