Der Schreibtisch 09/2018 – Wenn’s dir nicht gefällt, mach‘ neu: Von großen Plänen und YouTube unter Beschuss

Mmmhhh… Frühling. Nachts fast Frost, tagsüber nicht wirklich warm und grün wird’s noch nicht. Und Gewitter gibt’s auch schon. Eben feinster Frühling. Mmmhhh! Alles neu macht der Mai und heute sogar schon der April, das kann man sich gar nicht mehr vorstellen. So viel Neues passiert gerade, dass man vor lauter ToDo-Listen abarbeiten kaum noch die eigentliche Full-Time-Beschäftigung qualitativ angemessen gestemmt bekommt. Da ist ja auch bald neu, also ab Juni. Das dürfen dann auch langsam mal alle wissen, die es dann doch nicht interessiert. Pech, wer gerade hier ist, so!

Die Wohnung muss auch neu, mittels konzentriertem Intensiv-Schrubben, und das nennt man dann Frühjahrsputz. Und dann tut man so, als mache man das „Leben auf die Reihe kriegen“ gleich mit neu, bloß weil man mit ein paar Excel-Spielchen vermeintliche Ordnung ins Chaos schraubt. Und die Blog-Website, die kommt auch neu, oder zumindest mit AddOn. Mit neuer Rubrik und neuen Texten, die so nie hätten passieren dürfen. Wer’s findet, darf’s gerne weiter verschenken!

Fragt sich nur, wo bleibt bei allem neu machen die Zeit für’s sein lassen, für’s couchen, zocken und stundenlange Let’s-Play-Stream-Berieselung. Apropos: YouTube macht ja auch alles neu, jeden Tag. Und um da noch mitzukommen, ist man tatsächlich zu senil. Will man aber vielleicht auch gar nicht, denn bei Youtube wird jetzt auch geschossen, wenn mal wieder nicht neu gemacht wurde. Oder weil in zu wenigen Zeilen zu oft das Wort „neu“ gefallen ist, wer weiß das schon…

YouTube und die Vorteile des Älterwerdens

YouTube

YouTube… Ach herrje. Diese ominöse Webplattform, die Tag für Tag drölftausend Hektoliter Daten zugeschaufelt bekommt und sich so schnell wandelt, dass man als gewollt Endzwanziger beherzt die Segel streicht, noch ehe man ‚Clickbait‘ sagen kann. YouTube ist auch einer dieser Gründe, warum man oft ganz froh ist, nicht mehr so jung zu sein, gleich neben Hausarrest, nullter Unterrichtsstunde und Kronjuwelen kraulen lassen bei der Musterung. Und YouTube ist auch der Faktor, der einem wie kaum ein Zweiter in eisigster Herzlosigkeit vorhält, wie uralt man eigentlich mittlerweile ist.

Man muss nur den kapitalen Fehler begehen und auf der Startseite wahllos einen der ultra passgenauen Videovorschläge anklicken und kommt aus dem ungläubigen Radikal-Wundern nicht mehr raus: Was sind das für Leute, in welcher Sprache sprechen die und warum? Und wie niedrig ist mittlerweile die User-Rezeptionsschwelle, dass man mit dem hirnvernebeltsten Nonsens noch Abertausende Follower generieren kann? Als wenn man als Oppa oder Omma den Fernseher anstellt und zwischen all den kunterbunten Hipster-Lifestyle-Formaten nicht einmal mehr der Russe vor der Tür steht.

Nein, um da auf Kurs zu segeln, muss man sich schon Mühe geben oder auf proaktive Hirnzellensterbekur durch Beauty Channel und Reaction Videos stehen. Man könnte auch bei Hausmarken wie Gronkh ausharren, aber der ist ja auch alt und versteht das alles auch schon lange nicht mehr. Was bleibt ist anpassen, nach täglich neu definierten Regeln spielen oder egal sein lassen …Und wenn das mit dem egal sein lassen nicht klappt, eben zur Axt greifen. Oder zum Speer. Oder zu größerem Kaliber und in der Schaltzentrale des Streaming-Dienstes personell umstrukturieren.

Witzig ist das natürlich alles nicht, durch Nasim Aghdan sind Menschen verletzt und getötet worden. Es ist nur die Absurdität der ganzen Situation, die so fassungslos mit allen zur Verfügung stehenden Köpfen schütteln lässt. Fernab ihrer fragwürdigen Inhalte, Verschwörungstheorien und des offensichtlichen Dachschadens: Mit schwerem Gerät in eine Firmenzentrale einmarschieren, weil man vermeintlich Verantwortliche für rückgängige Abonnenten-Zahlen über den Haufen ballern will? Ernsthaft? Oder ist es das Konzept an sich, die manische Jagd nach Clicks und Google-Analytics-Kurven inmitten tollwütiger Social-Influencer-Rudel, die leichtere Gemüter quasi zwangsläufig zum amoken treibt? Nein, nein. Das verstehe ich nun wirklich nicht mehr. Und bitte schön auch niemand sonst! …Auch wenn ein Knallspaten wie der Unge wohl schon die passende Reaction-Performance dazu in petto hat.

Neu gemacht, Stage 1: Leben und Job und so

Dann doch lieber Sachen, die ich zumindest halbwegs verstehe: Mich beispielsweise! Dieses „Mich“ freut sich insofern wie Bolle, als dass es bald nicht mehr täglich mit dem weltbestesten Schienen-Dienstleister in die altheimatliche Provinz pendeln darf, sondern ab Juni in der super töften Wahlheimat Leipzig auch endlich beruflich ankommt. KPMG heißt das dann und das kennen vielleicht auch einige, zumindest ein paar von den 200.000 Mitarbeitern bestimmt. Das ist toll, weil ich da Dinge machen kann, die ich seit vier Jahren schon ganz gut mache – Und damit ist nicht mal Quatsch schreiben gemeint. Spiel und Spaß mit PowerPoint, das unsinkbare Flagschiff von den Leuten mit dem bunten Fenster-Logo. Das brauchen nicht nur hilflose Studenten ohne Drucker, sondern nach wie vor auch Unternehmen und Wirtschaftsprüfer und all die anderen Leistungsträger. Und weil die das selbst nicht können, gibt es Leute, die haben zwei Daumen, zeigen auf sich und können damit Geld verdienen.

Excel können die meisten auch nicht, außer die Mathematiker und Informatiker unter denen, und die sind verrückt. Zumindest kann man schnell große Magie mit Excel machen, wenn man aufhört, Excel als Arschloch zu sehen. Also, ein Arschloch ist es, gewiss, aber eines, das weiß was es tut. Wahrscheinlich ist das die Essenz des grauen Erwachsen werdens: Bock haben auf Tabellenkalkulation! Und damit beispielsweise eigene formelbasierte Buchhaltungssysteme auf die Schippe wuchten. Das ist dann Excel UND Finanzen UND Nachhaltigkeit. Leben auf die Reihe kriegen: Check!

Neu gemacht, Stage 2: Blog und zocken und Nonsens und so

Headwriting LE
Das Gamepad

Weil zum Leben ja aber auch der Blog gehört – schließlich schreibt man jede Woche viel zu viel und hält sich so infamerweise vom hochverdienten Nichtstun ab – darf auch dieser einer kleinen Neumach-Frischzellenkur unterzogen werden. Und es hätte nie geschehen sollen, es war ein ungeschriebenes Gesetz. Aber was soll ich tun? Ich zocke eben gerne – und alles, was ich gerne mache, landet im Blog. Jetzt muss man zwar nicht mehr groß suchen, weil ich es ja schon verraten habe, aber bitte: Nicht nur die Buchbesprechungs-Sparte bekommt endlich Content, es gibt jetzt auch eine Gaming-Rubrik! Keine Kritiken, keine Reviews, einfach nur zocken an sich. Die Essenz dessen, was einen seit Jahrzehnten immer wieder vor Konsole und seltener PC führt.

Den eigentlichen Einstieg nach dem kurzen Witcher-Abriss macht dann wohl Final Fantasy XV. Ein Gaming-Tagebuch soll es werden, mehr als nur ein Let’s Play zum Lesen. Nach Möglichkeit zweiwöchentlich, ein bisschen was ist ja auch schon im Archiv und wartet auf seine Freilassung. Das wird bestimmt ganz schön nerdig und ganz schön toll. Und wenn’s nicht toll wird …dann kann man ja neu machen!

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